Willkommen zu unserem Rad-Abenteuer. Los geht es am 11. August 2010 durch Indien, Thailand, Laos, Kambodscha, Süd-Australien+Tasmanien, Nord-Neuseeland, Vancouver-Island.

Sonntag, 5. September 2010

Endlich radeln

Da sind wir wieder.
Wir sind inzwischen schon dreiviertel der anvisierten Himalayarunde gefahren und in Kaza der "groessten Stadt" des Spititals gelandet. Hier leben bestimmt 1000 Menschen und es gibt wieder so ziemlich alles zu kaufen auch fuer die umliegenden Doerfer.
Aber von Anfang an.
Am 18.08. frueh am Morgen bei Wolken aber trockenem Wetter sind wir im Shimla gestartet. Nach ein paarmal fragen (Man frage immer besser mehrere Menschen ) hatten wir die richtige Strasse und es ging erst gemuehtlich los. Die ersten Kilometer waren unproblematisch, spannend wenn wir durch Doerfer kamen, standen immer viele Menschen (meist Maenner) auf der Strasse und warteten auf die Busse. Die LKWs wurden langsam immer mehr, fuhren aber zum groessten Teil mit Abstand an uns vorbei. Jeder musste uns anhupen, aber freundlich, die Beifahrer haengen meist grinsend und winkend aus dem Fenster. Dann ein Stau. Wir fahren langsam dran vorbei. Ein LKW oder Bus nach dem anderen bestimmt 2 Km. Dann ein riesen Schlammbad. Es ist nicht ganz klar ob Baustelle oder Erdrutsch. es koennen jedenfalls immer nur einzelne Fahrzeuge hindurchgeleitet werden. Wir koennen durchschieben, eine ziemliche Sauerrei. Dannach der gleiche Stau von der anderen Seite, aber wir haben erstmal die Strasse fuer uns. Wir versuchen das naechste Strassenlokal (Dhaba), stellen fest hier isst man zum Fruehstueck meist Alu-Prantha, eine Art Kartoffelpfannkuchen - sehr lecker.
Weiter gehts die LKWs werden wieder mehr, meist haben sie Aepfel geladen. Hier ist Apfelgegend (wie am Bodensee, nur hier duerfen die Baeume Baeume werden)und die sind gerade reif. Gegen Nachmittag kommen wir an unserem Zielort auf 2700 Hoeehenmetern an und sind ziemlich genervt und eingestaubt von den ganzen LKWs. Das kann ja heiter werden. Leider ist schon wieder alles verhangen und von den schoenen gruenen Bergenb nichts zu sehen. Am naechsten Morgen (Kein Regen :-)) gehts weiter - bergab, fast 2000 Hoehenmeter am Stueck und oh Wunder keine LKWs mehr. Wir erreichen den Sutlej fahren bis zum naechsten groesseren Ort, staunen ueber Wellblechhuetten, einmal sogar runde Lehmbauten und werden ueberall freundlich begruesst. Sobald die Kinder uns entdecken quietschen sie los, wenn sie nah genug sind stellen sie sich hintereinander auf und wollen abgeklatscht werden. Wir kriegen die Mundwinkel gar nicht mehr runter.
In Rampur dem naechsten Ort werden wir wegen Dauerregen erstmal einen Tag ausgebremst. So kaufen wir Badeschlappen fuer die "tollen Baeder", sitzen viel in Dhabas und schauen dem Treiben und dem Regen zu. Nachmittags klarts auf wir koennen ein Stueck den Berg hochfahren, es wird ruhig und wunderschoen.
Dann weiter immer den Sutlej entlang. Die Strasse bleibt gut befahrbar, kaum Verkehr, alles ruft und winkt. So langsam sehen wir immer mehr Menschen mit den typischen Filzhueten, wie sie die Tibeter tragen. Im naechsten Zielort dachten wir es gibt ein Hotel - war aber nichts. Es faengt wieder an zu regnen!. Wir suchen eine Zeltplatz am naechsten sehr rauschenden Zufluss des Sutlej. Der Wasserfilter kommt zum ersten Mal zum Einsatz. Wir haben das Teil schon sehr zu schaetzen gelernt.
Es regnet die ganze Nacht - ohje, aber am naechsten Morgen ist blauer Himmel. Zum ersten Mal koennen wir ein bisschen mehr sehen, sogar Schneeberge. Frohen Mutes fahren wir weiter. und dann nach etwa 5 km gehts los. Die Inder bauen dort ein riesiges Druckstollenwasserkraftwerk. (angeblich das groesste der Welt) Fuer uns hiess das, nach dem vielen Regen, 25 km Schlammpiste mit wahnsinnig viel Laerm und LKWs. Wir haben ganze 6 Stunden dafuer gebraucht und waren erstmal bedient. Danach mussten wir aber noch 20 km und 400 Hoehenmeter bis nach Rekong Peo. In dieser Nacht haben wir gut geschlafen. Am naechsten Tag sollte eigentlich Pause sein aber weil das Wetter so gut und ueberhaupt schon wieder Lust zum radeln, fuhren wir den Berg rauf nach Kalpa, das erste richtig tibetische Dorf mit sehr schoenen Tempel, der gerade restauriert wird, so dass wir nur von aussen gucken konnten. Zwischendurch auf halben Weg bauten wir unser Zelt am Strassenrand nur zum trocknen auf und wurden gleich von zwei der drei Autofahrer, die an uns vorbeifuhren angesprochen, doch bloss nicht da zu zelten, es sei ein Tiger gesichtet worden??? (ob wir das glauben sollen), einer der beiden fand unser Vorhaben mit den Raedern ganz toll und hat gleich mal aufgezaehlt was wir auf unserer Spitirunde alles besichtigen sollen, sehr nett.
Am Naechsten Tag besorgen wir die Permits fuer den Abschnitt an der tibetischen Grenze. Es ist ein buerokratischer Akt. Zwischendurch ist Stromausfall, dann muessen wir solange draussen warten. Es ist sehr interressant zu sehen wie unterwuerfig der Mann von der Touristinformation gegenueber den hochwichtigen Beamten wird. Trotzdem ist das Ganze recht unproblematisch.
Dann bekommt Sebastian den ersten Durchfall und muss ins Bett. Am naechsten Tag wieder Dauerregen, da kommen wir sowieso nicht weiter.
Aber dann, jetzt wird die Landschaft so langam immer karger, das Tal immer enger, fast schon schluchtartig. Irgendwann kommt tatsaechlich der Checkpoint fuer die Permits. Unsere Daten werden genau in ein Buch uebertragen und wir werden nach unserem Alter gefragt, warum auch immer. Dann wieder zelten am naechten Zulauf. Es ist schwierig eine Stelle zu finden weil alles so steil ist. Schliesslich finde ich einen Pfad zum Bach runter und eine passende Stelle, wenn wir sie von Steinen befreien. es ist ganz schoen viel Wind aufgekommen. Wir bauen das Zelt auf. Sebastian hat das Unterzelt schoen mit Haerringen fixiert, wir haengen das Ueberzelt ein - und alles fliegt den Berg runter - Schock!! Adrenalinstoss - hinterher. Wir haben viel Glueck. Das Zelt faellt nicht ins Wasser, wir koennen es wieder einfangen. Jetzt hat es ein paar Flicken, die sind aber nicht so schlimm.
Wieder aufbauen, diesmal sind wir schlauer und beschweren vorher mit unseren Taschen. Eine Tibeterin laeuft auf dem Pfad an uns vorbei zum Wasser und ward nicht mehr gesehen - sehr komisch. Als wir zum Wasser filtern gehen, sehen wir etwas bachaufwaerts einen Seilzug mit einem schaukelaehnlichen Teil auf dem man sich selbst ueber den Bach ziehen kann.
Der naechste Tag immer rauf und runter am Fuss entlang. Die Strasse ist immer spektakulaerer in den Fels gehauen, mal asphaltiert dann wieder sehr kaputt, dann wieder Baustellen, aber insgasammt geht es ganz gut. Hier ist es inzwischen sehr karg, kaum noch Baeche, es waechst fast nichts meht. Irgendwann kommt der Zulauf des Spiti. Es ist sehr heiss, ich bin fertig. Sebastian beschliesst Wasser aus dem sehr schlammingen Fluss zu filtern, was funktioniert, damit wir bald einen Zeltplatz suchen koennen. Jetzt geht es steil bergauf. Von unten sind viele Serpentinen zu sehen. Das mit dem Zeltplatz wird noch schwieriger wie am Vortag, wir landen schiesslich in einer Serpentine 3m von der Strasse entfernt. Es gibt allerdings fast keinen Verkehr und niemand stoert sich an uns, auch nicht die paar vorbeifahrenden Militaerfahrzeuge. in dieser Nacht haben wir ein paar halbwilde Esel als Aufpasser um unser Zelt.
Am naechsten Morgen sitzen wir schon um 6:30 Uhr auf den Raedern. Es geht immer aufwaerts, sehr spektakulaer, der Fluss fliesst bis zu 1000 Meter dierkt unter uns. Es sind etwa 1000 Hoehenmeter bis nach Nako auf 3620 Hoehenmeter. Wir sin mittags schon da und finden ein sehr schoenes Guesthaus mit Blumengarten und Seeblick. Naja der See ist mehr ein Teich aber mit tollem gruenem Wasser und ein Wunder in dieser wuestenartigen Landschaft. Die Berge sind hier sehr gewaltig und voellig karg, nur wo es Wasser gibt sind gruene Flecken und dann auch gleich Doerfer, wie Oasen.
Am naechsten Tag ist wieder ein Pausentag. Wir laufen noch ein Stueck den Berg rauf, geniessen die Aussicht, bestaunen die alten tibetischen Stupas und lassen uns den alten und neuen Tempel aus dem 11 Jahrhundert und von 2007 zeigen.
Es ist Erntezeit fuer Erbsen. Es werden unmengen Erbsen angebaut und das ganze Gruenzeug wird nachdem die Erbsen gepflueckt sind, in riesigen Buendeln, meist von den Frauen auf dem Ruecken nach Hause getragen und dann auf den Daechern der Haeuser gelagert. Auch auf dieser Hoehe ist es tagsueber noch sehr warm. Es gibt Kuehe und sogar noch ein paar Apfelbaeume.
Nako war sehr schoen und erholsam.
Dann geht es weiter die Strasse schraubt sich noch bis auf 3890m hoch und dann wieder 1000 Hoehenmeter runter. Ich bin nicht fit, die Erkaeltung ist im Anzug, so werden die letzten 20 km bis nach Tabo zum Kampf. Tabo ist der erste Ort nach der Permitzone (wieder wurden wir am Checkpoint nach dem Alter gefragt?) Hier gibt es ein altes recht beruehmtes Kloster und einige Guesthaeuser haben sich angesiedelt.
2 Tage Zwangspause. Jetzt bin ich krank. Sebastian macht inzischen einen Tagesausfflug zu einem anderen schoenen Kloster und erkundet schonmal die weitere Strasse. Sie bleibt sehr hoppelig. (Nur in der Permitzone war sie erstaunlicherweise supergut, da brandneu)
Am 02.09. fahren wir weiter. Wir wollen ins Pinvalley, ein Seitental, in das man 40km hineinfahren kann und das uns waermstens empfohlen worden ist. Am Anfang des Tales zelten wir erstmal wieder und machen uns dann an den Aufstieg, d.h. wir hoppeln den Berg hoch. Es ist anstrenged aber wunderschoen. das Tal ist greuner, wir sehen die ersten Yaks, es ist Erntzeit, viele Leute sind auf den kleinen Feldern und schneiden Gerste mit der Handsichel, die dann zu Garben bebunden wird, wie auf alten Blidern bei uns. In Mudh im letzten Dorf, dass mit Fahrzeug erreicht werden kann, gibt es 225 Einwohner(stand so auf dem Ortsschild) und ein paar einfache Guesthouses. Von hier aus kann mann Esel und Guides mieten und dann zu Fuss weitergehen. Auch so ist es sehr malerisch dort. Abends kommen die Esel (beladen mit Erbsenkraut), Kuehe, Yaks und Schafe nach Hause, zum Anschauen sehr idyllisch, zum Leben sicherlich sehr hart.
Und gestern wieder runterhoppeln (was wesentlich einfacher ging wie rauf) und dann wieder auf unserem eigentlichen Weg bis Kaza. Hier sind wir jetzt haben ein Zimmer im ersten Haus am Platze mit Balkon und Aussicht auf den Tempel gebucht, mussten trotzdem heute zwei Zimmer weiter ziehen, da Boiler fuer heisses Duschwasser kaputt - that's India.
Und ab morgen gehen wir fuer 4 Tage wandern, Wir haben eine Tour ueber die Doerfer gebucht und freuen uns schon sehr, mal was anderes.
Bilder kann man hier leider auch nicht hochladen, also habt noch etwas Geduld.

Bis denn ;-)

4 Kommentare:

  1. Hallo Ihr beiden,
    die Beschreibung ist sehr anschaulich. Manchmal habe ich schon gelacht, da ich mir das ganze recht gut vorstellen kann. Da werdet Ihr wohl richtig abgehärtet. Aber es lohnt sich sicher!
    Wie hoch seid Ihr bis jetzt gekommen? Könnt Ihr die Höhe vertragen?
    Ich hoffe, Ihr habt die erste Scheißerei und Erkältung inzwischen überwunden und seid schon etwas immun!
    Wir freuen uns auf Euren nächsten Bericht.
    Vater

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  2. Mannomann! Gäbs DAS als Live-Fernsehkanal, ich würds buchen! Klingt ja alles sehr spannend. Keep up the good spirit and "happy pedal"!
    Viktor

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  3. WOW ! Schön, dass ihr uns so teilhaben lasst...
    klingt so was von spannend, freue mich schon immer auf den neuen Blog. Wir sind am Wochenende am Hüsli, ich drucke den blog aus und nehme ihn mit, für die Nichtvernetzten :-)
    LG von K+F+S+J+O

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  4. Hallo Ihr beiden!
    Schön, dass wir auf diese Weise dabei sein können. Katja, ich hätte gar nicht so lange Berichte von Dir zu hoffen geglaubt. Wirklich ganz toll. Wir denken an Euch,
    alles Liebe karin

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