Willkommen zu unserem Rad-Abenteuer. Los geht es am 11. August 2010 durch Indien, Thailand, Laos, Kambodscha, Süd-Australien+Tasmanien, Nord-Neuseeland, Vancouver-Island.

Dienstag, 12. Oktober 2010

Es wird wieder warm werden


Es ist ganz schoen hoch


Erste Annaeherungen


zwei ganz besondere Pilgergestalten, die sich mit uns fotografieren lassen wollten. Seit wir aus den Bergen draussen sind, kommen taeglich mehrmals irgendwelche Leute auf uns zu und wollen "one snap please"


Es ist heiss. Mittags steigt die Temperatur immer ueber 40 Grad im Schatten. Da heisst es wieder um 5:00 Uhr aufstehe,n damit wir um 6:30 mit Sonnenaufgang auf den Raedern sitzen. Gegen 13:00/14:00 Uhr versuchen wir moeglichst am Ziel zu sein.


Die sich ueber mehrere 100 Kilometer erstreckende Wuestenrandzone der Thar. Es ist immer noch recht gruen Der Boden besteht allerdings nur aus sehr feinem Sand.


Die Schule in Pallu, einem Wuestendorf, bei der wir uebernachtet haben.


In der Mitte befindet sich Sebastian mit seinem Fahrrad. Es bleiben immer Maenner stehen uns schauen, sobald wir jemanden ansprechen vermehren sie sich auch immer. Sebastian sagt immer menschliche Wasserbueffel. Sie stehen wirklich voellig reglos da und starren einen an. In diesen Stadtchen war es allerdings besonders extrem. Da konnten wir nur schnell abhauen.


Wir bestaunen uns gegenseitig


Der klinisch reine, verruieckte Sikh-Tempel in Harisa


Das kreuzschiffaehnliche Wohnhaus, wir hatten die zweite Etage von oben fuer uns.


Von Amritsar ging es suedwaerts wieder an der Sutlej, den Fluss dem wir kurz hinter Shimla Richtung Tibet gefolgt waren. Hier wird er allerdings aufgestaut und ein riesiger Kanal abgezweigt, der halb Rajasthan mit Wasser versorgt. Es ist eine riesige Wasserlandschaft entstanden, sehr unberuehrt mit vielen Voegeln. Es gibt nur kleine Orte ohne grosse Infrastruktur. Wir dachten eigentlich, dass wir hier zelten muessten. Dann tauchte direkt hinter dem Damm ein grosser, sehr neu aussehender Sikhtempel auf. Da die Sikhs so sehr gastfreundlich sind, dachte ich fragen wir mal, ob wir dort uebernachten koennen. Schon die Auffahrt zum Tempel war sehr spannend, ein grosser Garten mit hochakuraten Beeten im Louis XIV Stil, darauf kuenstliche Hirsche und Figuren, die laendliche Szenen darstellen. Ueberall Menschen die fegen, die Bueschchen beschneiden, sogar der Rasen wird gefegt. Wir sprechen jemanden an und werden erst einmal auf eine Bank gesetzt. Nach etwa 15 Min. kommt eine juengere Frau, die englisch spricht und bittet uns noch zu warten. Es vergeht eine halbe Stunde, dann kommt sie wieder und bittet uns ihr zu folgen. Vor einer Tuer muessen wir die Schuhe ausziehen (nichts besonders), die Fuesse an einer Decke abputzen, dann duefen wir eintreten. Wir betreten einen groesseren Raum, an einer Seite befindet sich ein Coca Cola Kuehlschrank und ein kleines Sideboard, in einer anderen Ecke liegt eine Matte zum liegen. Ansonsten sitzt dort nur ein dicker aelterer Mann mit Turban barfuss in traditioneller Kleidung in einem grossen Lehnstuhl. Vor ihm fegt eine Frau hockend den Boden. Er winkt uns heran und bedeutet uns, wir sollen uns zu seinen Fuessen setzen (wie im Film). Dann muss besonders Sebastian Rede und Antwort stehen (was wir tun, sein Beruf, ob wir verheiratet sind, wieso wir so lange reisen koennen usw) Das Gespraech scheint zu seiner Zufriedenheit zu verlaufen. Wir bekommen Getraenke aus dem grossen Kuehlschrank angeboten. Dann werden wir wieder an die juengere Frau verwiesen, die uns unser Zimmer zeigen soll.It's all free, you don't have to pay a donation. Der Oberguru hat befunden, wir duerfen bleiben. Wir sind dann den Rest des Tages versorgt und verpflegt worden, hatten erst ein riesen Zimmer mit Matte auf dem Boden und 3 verschiedenen Klos. Spaeter mussten wir nochmal umziehen, da anscheinend noch ein Gast aufgetaucht war. Nun war das Zimmer fast noch groesser und hatte rundum Fenster. Wir fuehlten uns wie auf einem Schiff. Ueberhaupt hatte die Typ ein Faible fuer Reisewagen. Ueberall schoen drapiert auf dem Gelaende gab es umgebaute Travellerfahrzeuge, meist innen leer nur mit grossen Bildern von Sikhgurus, die angebetet werden sollten. Abends wurde das ganze Ambiente dann noch wunderbar kitschig beleuchtet ( aber nur bis das Buch ins Bett ging, hier so gegen 8:30). Bezahlen durften wir auch am naechsten ag als wie der fuhren nichts.
Wir sind dann noch ein Stueck vom Gelaende am Wasser spazieren gegangen, fanden eine Art Hochstand, wo man ganz gut uebers Wasser schauen konnte. Aufeinmal kam ein Motorrad gefolgt von einem Jeep vorbei. Kurze Zeit spaeter kam das Motorrad wieder zurueck und ein ganzer Trupp Leute aus dem Jeep zu fuss hinterher. Sie wollten ein Musikvideo drehen und hatten befunden zwei Weisse wuerden sich gut darin machen. So spazierten wir als Liebespaar durch den Wald gefolgt von einem Playback singenden Saenger. Die eigentliche Hauptdarstellerin schmollte und wir dachten eigentlich auch, dass sie schoener gewesen waere, wie wir zwei nicht mehr ganz taufrischen Langnasen in Outdoorklamotten.
Das war wieder ein sehr ereignisreicher Tag.
Dann ging es weiter. So langsam wird die Landschft immer trockener und karger. Da es von den Entfernungen, wo es Schlafmoeglichkeiten geben koennnte besser passt, beschliessen wir ueber Abohar an der pakistanischen Grenze zu fahren. Es ist unser erster Wuestenort und wider erwarten gibt es dort mehrere Hotels und ein ganz gutes Restaurant. Schon vorher sind die ersten Kamele aufgetaucht, meist als Zugtiere anstatt der sonst ueblichen Ochsen oder Pferde. Sie sehen schon sehr majestaetisch aus.
Kurz hinter Abohar verlassen wir den Punjab. Jetzt sind wir in Rajasthan. Von einem weitentwickelsten sind wir jetzt in eines der rueckstaendigsten Laender Indiens gefahren. Jetzt tragen die Frauen wieder vorwiegend Saris, man spricht nur noch mit Sebastian (hello sir, witch country?), falls ueberhaupt noch jemand englisch spricht. Im Punjab waren die Menschen spuerbar offener. Dort haben sie auch geschaut, meist freundlich gewunken und auch staendig die obligatoischen Fragen gestellt oder wollten Fotos mit uns. Menschenauflaeufe haben wir aber keine verursacht.
Kurz vor der Grenze nach Rajasthan werde ich von einem Typen vom Motorrad aus angegrapscht. Ich habe erstmal genug von indischen Maennern. An der Grenze dann wieder Soldaten mit denen wir Tee trinken sollen. Dann die erste Stadt, sehr unfreundlich, von den drei Bruchbudenhotels, die es dort gibt wollen uns zwei nicht haben, das dritte ist voellig ueberteuert und frische Bettwaesche gibt es nur, weil wir darauf bestehen. Der erste Eindruck von Rajasthan ist sehr desillusionierend.
Es ist sehr heiss. So langsam erinnert die Landschaft immer mehr an eine Wueste, obwohl es immer noch Felder gibt auf denen jetzt Hirse und Melonen angebaut werden. Zu Anfang auch noch Baumwolle.
Dann kommen wir mittags nach Pallu einem Dorf mitten im Nichts, allerdings das Hauptdorf mit Laeden und Dhabas an der Strasse. Wie immer stehen einige Maenner um uns herum. Einer fragt wo wir an dem Tag noch hinwollen. Wir antworten, dass wir bei Pallu bleiben wollen, ob es hier vielleicht eine Uebernachtungsmoeglichkeit gibt. Mehrere Maenner antworten sehr ueberzeugt, ein Hotel gaebe es nicht aber einen Room schon und beschreiben uns den Weg den wir nehmen sollen. Gespannt gehen wir dorthin. Auf dem Weg fragen wir noch ein paarmal und immer wieder scheinen die Menschen genau zu wissen wohin sie uns schicken. Auf einer art Platz fragen wir wieder einen jungen Mann. Der guckt schon etwas skeptischer, zeigt aber dann genau auf die Tuer vor der er steht und geht mit uns auf einen Innenhof, von dem viele Tueren aus abgehen. Es sieht fast aus wie in einem Kloster. Wir werden sofort von vielen Jugendlichen umringt. Der junge Mann holt einen etwas aelteren jungen Mann, der auch erst etwas skeptisch guckt, dann aber Schluessel holen laesst und eine der Tueren aufschliesst. Dahinter ein gefaengniszellenartiger Raum mit Matten auf dem Boden. Hier duerfen wir schlafen. Niemand spricht englisch aber wir erfahren zumindest, dass wir nicht in einem Kloster sondern in einer Schule gelandet sind. Es ist eine staatliche senior secondary School, daher sind die Schueler auch schon Jugendliche. Es wird dann ein sehr spannender Abend, an dem sich einige der Lehrer inclusive Direktor (kann auch kein Wort Englisch) in unserem Zimmerchen draengen, wie die Kinder ueber unserer Landkarte haengen und sich freuen, wenn sie einen bekannten Ort gefunden haben. Nur der Englischlehrer spricht etwas englisch. Irgendwann traut er sich und fragt, ob er ein Foto mit uns machen koennte. Allerdings ist es schon dunkel und sein Handy dafuer nicht gut genug. Also wurde der Dorffotograf angerufen, der auch kam und sich gleich mit ablichten liess. Die Jugendlichen (alles Jungs) heangen waehrend der ganzen Zeit in Trauben vor den beiden Fenstern. Es ist ein Gekicherere und Getuschele, einfach unglaublich.
Nach der naechsten Etappe dann die schmutzigste, heruntergekommenste Kleinstadt, die wir bisher hatten, ueberall Muell und stinkende Abwasserkanaele. Dabei war es sicherlich einmal eine schoene Stadt. An manchen alten Haeusern sind noch Reste von sehr schoenen alten Bemalungen zu erahnen. Das Hotel ist auch das schmutzigste bisher, mit nistenden Tauben im Flur - trotzdem wohnen viele Leute dort, auch sind die Menschen recht freundlich - sehr unverstaendlich. Abends versuchen wir wenigstens ein Strassenlokal, wo wir etwas essen koennen,zu finden - Fehlanzeige. Als wir ein Restaurantschild finden und hoffungsvoll eintreten - wieder Fehlanzeige. Es findet sich dann aber ein freundlicher Mensch, der uns durch die Gassen tatsaechlich zu einem Restaurant fuehrt. Es ist sogar gut besucht von offensichtlich besser situierten Indern aber trotzdem guenstig. So hat der Tag doch noch einen guten Ausklang. Am naechsten Tag fahren wir noch 65 km bis zur naechsten Kleinstadt. Die letzten 70 km bis Bikaner lassen wir uns dann mit dem Pickup fahren. Wir hatten erst einmal wieder die Nase voll von schrecklichen Kleinstadthotels.
Bikaner, eine sehr weitlaeufige Stadt mit grossem Fort auch nicht so schmutzig. Im Fort jede Menge Prunk aus Maharatschas Zeiten, schon sehr doll anzuschauen. Nach einem Tag sightseeing gehen wir jedoch gleich wieder in die Wueste auf Kamelsafari (ich weiss es sind eigentlich keine Kamele, sie heissen hier aber so.) 2 Tage sind wir mit zwei Kamelen und Wagen durch die "Wueste" gezogen. Einer durfte immer reiten und einer im Wagen mitfahren. Der 9jaehrige Sohn des Fuehrers hat vom Wagen aus das Kamel auf dem der Reiter sass gefuehrt. (manchmal musste er schon nach Papa rufen. Kamele sind nicht wirklich freundliche Tiere.) Es war schon spannend und irgendwann hatte ich auch keine angst mehr herunter zu fallen - aber so ein Tier unter meinem Hintern ist einfach nicht mein Ding. Wir waren im Land der Bishnoi, ein Volksstamm , der in diesem Teil der Wueste lebt, sehr arm, sehr froehlich und freundlich, besonders die Kinder sehr zutraulich und die sehr auf ihre Umwelt achten. So liegt dort kein Muell herum, als einmal eine Plastiktuete am Boden lag, ist der Fahrer extra vom Wagen gesprungen, hat sie aufgehoben und spaeter mitverbrannt - so gibt es immer wieder Ueberraschungen in diesem Land.
Morgen machen wir uns auf Richtung Jodpur - immer noch durch die Wueste (es war ein Versuch aber es ist einfach nicht meine Landschaft)
Bis denn ;-

4 Kommentare:

  1. Hallo Ihr Zwei,
    während Ihr schwitzt, ist bei uns Herbst mit Regen, Nebel und schon recht kalt. Frau Allig wurde heute von mir mit einigen Eurer Berichte versorgt.Wir hoffen, dass es Euch gut geht und Ihr gesund seid.
    Weiterhin gute Fahrt.
    die Eltern

    AntwortenLöschen
  2. Hallo Ihr 2,
    es ist ja schön zu hören, dass ihr Eis und Schnee hinter euch gelassen habt. Ich glaube Wärme ist doch besser zu ertragen.Eure Berichte sind richtig Super. Es macht so richtig Spass sie zu lesen. Sie werden auch immer beim Stammtisch diskutiert. Deshalb gibt es jetzt mal ganz liebe Grüsse vom Stammtisch.Wir haben letztes Mal ein Foto gemacht, ioch habe versucht es hoch zu laden, was nicht funktioniert hat, schade eigentlich. Ich versuche es nochmal.
    Also dann liebe grüße vom Stammtisch und dem Uwe als Verfasse dieser Zeilen und in diesem Sinne haltet die Ohren steif!!!!

    Es funktioniert nicht,dass mit dem Foto schade

    AntwortenLöschen
  3. Hallo, Ihr Weltenradler,
    hoffe, der 3. Versuch eines Kommentars an Euch wird (dank Lucie) jetzt klappen!!!
    Hüsli war wieder mal sooo schön, vielleicht können wir ja nächstes Jahr mal zusammen hin???
    Katja, Du solltest mal überlegen, ob die spannenden Berichte, die Du schreibst, in einem Buch nicht gut aufgehoben wären - ich warte voller Spannung immer auf den nächsten Bericht.
    Wieviel Kilometer habt Ihr denn bis jetzt schon per Pedalos zurückgelegt?
    Morgen (nachdem ich mein letztes WE hinter mich gebracht habe, erstmal) in 1 Woche werden Herby und ich uns in die Lüfte erheben-gen Indonesien!
    Wir freuen uns schon total, 4 Wochen was Neues! Natürlich fast nix im Vergleich zu Euch...
    Danach werden wir berichten. Euch wünschen wir eine weiterhin gute und erlebnisreiche "Strampeliade", laßt es Euch gut gehen. Euer Haus sieht gut aus, gehe ab und an vorbei..
    Und: sieht aus, wie wenn der krummere der 2 Baobabs 2 Junge kriegt, toll, gell!
    Liebe Grüßli Barbara

    AntwortenLöschen
  4. hallo Ihr beiden!
    Nach einer Woche Urlaub in Rothenburg und Umgebung bei strahlendem Sonnenschein ist nun auf Winterzeit umgestellt (So ein Schwachsinn!) und die schöne Zeit "des in den Tag lebens" geht dahin.
    Während wir dann also den Autos Winterschuhe verpassen, schwitzt ihr vor euch hin. Toll, dass die Welt so klein wird durch diese geniale Technologie. Liebe Katja, ich finde auch, Du solltest deine Berichte zu einem Buch machen...

    Und nun das beste zum Schluß:
    Nach vielem Hin und Her steht es nun fest:
    Anfang Juni werden Christine, Waltraud und ich nach Westkananda aufbrechen und so Gott will, Euch auf Vancouver Island treffen!!!!!!!!!!!!!!!

    So, nun radelt schön weiter und schreibt ab und an. Liebe Grüße von hier nach da
    Eure Karin

    AntwortenLöschen