Willkommen zu unserem Rad-Abenteuer. Los geht es am 11. August 2010 durch Indien, Thailand, Laos, Kambodscha, Süd-Australien+Tasmanien, Nord-Neuseeland, Vancouver-Island.

Donnerstag, 17. Februar 2011

Kambodscha

Die Zeit rast im Moment dahin, jetzt sind wir schon wieder fast 3 Wochen rauf und runter durch Kambodia gefahren. Wieder ein neues Land und wieder ist eine Menge anders, "same, same but different". Hier gibt es wieder viel mehr Menschen und es ist viel mehr los. Kambodschaner gehen in der Regel nicht mit den Huehnern ins Bett, stehen trotzdem frueh auf und liegen, spaetestens um zwoelf wieder in der Haengematte, abends werden sie dann wieder wach. Wir haben das Gefuehhl hier ist viel mehr Buisness angesagt, wie in Laos. In Laos hatten wir immer das Gefuehl, die meisten arbeiten gerade soviel, wie sie muessen um zu ueberleben. Die Schule beginnt hier Morgens um 7:00 Uhr und ist manchmal schon um 10:00 Uhr wieder zu Ende. Teilweise sehen wir sie dann nachmittags noch einmal zur Schule laufen.

Leider mag der Komputer keine Bilder hochladen, also vielleicht spaeter mal.

Doch jetzt vielleicht mal von Anfang an. Am 01.02. sind wir von der Haengematteninsel zur Grenze gefahren. Und dann wurde es erstmal ein bisschen apokalyptisch. Mitten im Nichts taucht ploetzlich eine verbogene Schranke auf mit ein paar Huetten drumm herum. Hier kann man die letzten Kip ausgeben und muss sich seinen Ausreisestempel von Laos abholen (one Dollar please, pro Pass). Dann kommt ein freundlicher junger Mann der fragt, ob man denn noch Restgeld haette, er wuerde es gerne nehmen... . Dann 300m Niemandsland, danach in etwa noch einmal eine aehnliche Ansicht. Kurz vor der naechsten verbogenen Schranke ein offener Holzpavilion mit einem grossen Schild "Quarantaene". Waehrend wir noch darueber witzeln, werden wir auch schon in diesen Pavillion gebeten. Dort muessen wir auf einer Bank Platz nehmen und einen Fragebogen ausfuellen. Ah denken wir, hier werden die Imigrationcards ausgefuellt. Der Bogen sieht genauso aus, nur dass unten nach allen moeglichen Krankheiten gefragt wird. Das hatten wir bisher noch nicht. Inzwischen hat sich ein gut gekleideter Mann uns gegenueber gesetzt. Er sammelt die Boegen ein und holt ein Geraet heraus, bei dem, ich sofort an Laserpistole denken muss. Damit kommt er auf Sebastians Kopf zu. Voellig verrueckt, in meinen Kopf lief sofort ein Film von Gehirnwaesche, Pol Pot, Kommunismus usw ab. Er haelt das Teil kurz vor Sebastians Stirn und macht dann das Gleiche bei mir. Entgeistert wollen wir natuerlich wissen, was das war und bekommen die Schachtel hingehalten, darauf nur chinesische Schriftzeichen - ha,ha. Der Typ grinst und macht das Gleiche nochmal bei mir. Dann laesst er mich in das Geraet schauen, 36,3 Grad. Wir bekommen bescheinigt, dass wir beide fieberfrei sind und duerfen weitergehen - na so ein Glueck. Dann zur Visastation und endlich zur eigentlichen Einreise, jedesmal muss wieder der gleiche Bogen nur mit anderem Schriftbild ausgefuellt werden (der Krankheitenteil fehlte bei den anderen Boegen). Juhu wir duerfen weiterradeln.
Plattes Land ueberall abgeerntete Reisfelder, wie schon im Sueden von Laos. Nur ab und zu mal ein paar einfache Haeuser auf Stelzen. Die Kinder rufen hier "hello". Nach 10 km hat Sebastian einen Platten. Wir sind gerade wieder bei ein paar Haeusern und halten im Schatten von einem an. Ein einaeugiger Mann kommt heraus, betrachtet sich genau was los ist, verschwindet wieder und setzt sich nach einer Weile freundlich laechelnd zu uns. Aus der Weiterfahrt wird es dann richtig surreal. Schon in Laos hatten wir von weiten immer wieder Rauchfahnen gesehen und geflaemmte Felder, waren diesen aber nie wirklich nahe gekommen. Jetzt fahren wir die naechsten 50 km mitten durch. Es wird geflaemmt bis an die Haeuser. Die Gegend sieht aus als waere dort gerade ein Kriegsfilm gedreht worden. Zun Gleuck wehr der Wind nicht in unsere Richtung. Da es auf Mittag zugeht, ist es sowieso schon sehr heiss, ein heisser Wind weht, immer wieder sind Aschefetzen in der Luft. Wir versuchen etwas zu Essen zu finden und halten bei einer Huette, wo es vielleicht etwas zu kaufen geben koennte. Auf dem Boden sitzt eine Frau mit einem Baby auf dem Schoss, unglaublich schnell tauchen bestimmt 10 kleinere, zerlumpte Kinder auf, viele nur mit einem schmutzigen T-shirt bekleidet. Sie stellen sich alle kichernd um die Frau, zu der sich inzwischen eine weitere auch mit Baby gesellt hat. Es sieht aus als wollten sie fuer eine Postkarte fuer Unicef posieren. Zu kaufen gibt es leider so gut wie nichts, nur Wasser und ein paar Kekse und Zigaretten sind im Angebot. Wir kaufen dann Wasser und Kekse, ohne etwas haetten wir da nicht wieder gehen koennen. Auf der Weiterfahrt ist uns etwas bange zumute, was uns wohl noch erwartet in Kambodscha. Kurz vor dem ersten Staedtchen (wo wir auch uebernachten) wird es dann aber besser. Es gibt auch eine Nudelsuppe zu essen.
Dieses und auch viele weitere Staedtchen, wieder mit grosszuegig angelegten breiten Strassen, aehnlich wie in Rumaenien, laesst immer an kommunistische Aufmaersche denken. Es liegt sehr viel Muell herum, fast wie in Indien, nur die Haeuser sehen etwas gepflegter aus wie in Indien. So ist es ueberall. Vieles erinnert hier an Indien. Auch hier gibt es jede Menge Kuehe auf den Strassen und in den Orten, auch hier fressen sie den Muell und es sind sogar die mit Hoecker. Auch die Armut ist mindestens genauso gross. Besonders in Phnom Penh war es sehr auffaellig. Phnom Penh einer sehr wuselige Stadt, hier sind die Hotels direkt neben voellig vermuellten Strassen, mit kleinen Garkuechen. Viele Kinder mit gtossen Plastiksaecken laufen herum durchsuchen den Muell nach Metall und Dosen, viele Bettler und abends auch wieder Menschen, die auf dem Buergersteig schlafen. Dazwischen immer wieder Bettler, denen irgendwelche Gliedmassen fehlen. Hier hat es mich mehr beruehrt wie in Indien, vielleicht weil es gerade in Phnom Penh viel naeher war, wie z.B. in Bombay.
Aber Kambodsch\a ist auch sehr schoen, gerade, wenn man ueber Land faehrt. Die Landschaft hat zwar niht ganz soviel zu bieten, meist flach, Felder (nach dem anfaenglichen Erlebnis im Norden, nie wieder abgebrannt) dazwischen Palmen.
Dann waren wir natuerlich noch in Angkor und zum Schlaen in Seam Reap, wie alle anderen auch. Seam Reap ein Stadt mit inwischen ueber 200.000 Einwohnern ist ausschlieslich auf den Ankottourismus ausgerichtet. Die Stadt besteht praktisch nur aus Guesthaeusern, Hotels, Restaurants und alles was dazu gehoert. Es gibt einer pubstreet,nur mit eben diesen, die abends fuer den Verkehr gesperrt wird usw.
Und Angkor - Wir haten ein Dreitagesticket. Am ersten Taghaben wir alle moelichen kleineren Tempel angeschaut. Das Gebiet ist riesig. Wir sind an diesem Tag 50 km mit dem Rad gefahren und waren nur mit empel anschauen beschaeftigt. Und wir waren sehr fasziniert. Besonders, wenn nicht so viele Menschen am jeweiligen Tempel sind ist die Stimmung fast erhaben und mystisch. Besonders die riesigen Baume, die teilweise aus dem Gestein wachsen und ihre Wurzeln darum krallen faszinieren.
Am zweiten Tag dann den Haupttempel anschauen. Ein riesiges Gesammtensempel aber irgendwie konnte es uns nicht so begeistern, wie es angeblich sollte. Vielleicht auch weil Teile der Fassade eingerruestet waren. Dann gibt es noch den Baphoun mit den vielen Gesichtern. Das war wieder irre. Ayf was fuer Ideen Menschen alles kommen, ein Gebilde aus ueber 40 Tuermen auf drei Ebenen, an deren Spitzen jeweils vier riesige Gesichter in alle vier Himmelsrichtungen schauen.

Von Angkor ging es mit dem Bus (wieder unproblematisch) nach Phnom Penh und von dort wieder mit dem Rad Richtung Meer. Da sind wir jetzt, in Sihanoukville Kambodschas einzigem Badeort. Auch diese Stadt ist ziemlich gross, die Straende zum groessten Teil zugebaut, teilweise mallorcaaehnlich - sehr schade aber nach einer lange Fahrradettappe sind wir gestern hier gestrandet. Heute haben wir dann etwas abgelegeneres gesucht und am letten Strand auch gefunden. Dorthin werden wir morgen umziehen und noch drei Beachtage verbringen, bevor wir weiter die Kueste hinaufradeln, Richtung thailaendische Grenze. Am ersten Maerz kaeuft das Visum ab. Dann muessen wir wieder in Thailand sein.

Fast haette ich es vergessen, ein ganz grosses Plus in Kambodscha, die Khmer koennen kochen. Es schmeckt wieder und es gibt auch nicht nur Nudelsuppe.

Das wars fuer heute
bis denn;-)

1 Kommentar:

  1. Die Zeit rast nur so dahin. Jetzt sitze ich schon wieder 3 Wochen am gleichem Platz in meinem Büro, und es ist geradezu unglaublich, was ich alles sehe. Links steht ein riesenhafter Drucker, und wenn ich die Augen schweifen lasse, dann erkenne ich dahinter ein armseliges Fax, das schon bessere Tage gesehen hat. Heute wird ein spannender Tag, weil ich die Wohnung verlassen werde. Dazu hat man hier selten die Chance. Die Einheimische sagen, es gäbe ein Ritual, das nenne sich "Fasend" und sei in Deutschland beliebt und ansteckend. Nu ja, wenn sie meinen. Ich schaus mir mal an. Da ich es mit dem Fahrrad nicht rechtzeitig in diese abgelegene Gegend schaffen würde (die Leute nennen das "Schwarzwald"), nehme ich notgedrungen das Auto. Welch ein Abenteuer! Ich hoffe, dass es unterwegs auch Versorgungsstationen gibt, und wenn die nur Nudelsuppe anbieten, dann wär mir das auch egal, Hauptsache was im Magen... Immerhin muss ich kein Geld wechseln, dort zahlt man wohl auch mit dem Euro. Puh. Nur mit der Sprache ist das so eine Sache. Mal gut, dass ich da geboren bin, sonst wärs gaaaanz schwierig mit der Verständigung. Nächstens mache ich eine NOCH verrücktere Reise und fahre allein auf einen Schottenkurs nach Paris, aber dazu dann mehr im April :-)
    Gute Weiterreise und Happy Temple!

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