Wir sind wieder mehr oder weniger in der ersten Welt gelandet. Seit wir von der Insel wieder auf dem Festland sind, haben wir meist wieder Fernsehen, hier in Thailand auch sehr haeufig den Deutsche Welle Sender oder BBC, jetzt in Pattaya sogar die englische Version von Aljasira (auch ganz interessant). So haengen auch wir fast taeglich mit grossen Augen vor dem Fernseher und schauen alle moeglichen Nachrichten an. Sehr nett, dass uns so viele E-mails erreicht haben, ob wir von der grossen Katastrophe etwas mitbekommen haben - wir haben. Da es zur Zeit allerdings keine Auswirkungen auf Thailand oder Australien hat, leben wir unser bescheidenes Leben weiter und sehen keinen Grund etwas an der Reiseroute zu aendern.
Am 01.03. fuhren wir ueber die Grenze, diemal ganz unspektakulaer. Davor noch auf kambodschanischer Seite ein riesiges Spielkasino (in Thailand ist Gluecksspiel offiziell verboten, also ergibt sich eine grosse Einnahmequelle fuer die Kambodschaner), auf beiden Seiten viele Marktstaende und Taxis, in Kambodscha eher offene Tuk-Tuks, in Thailand mehr neue Minibusse. Auch sonst sah die Welt wieder anders aus. Der Asphalt, augenblicklich besser (so etwas faellt dem Radfahrer natuerlich sofort auf), die Haeuser etwas solider, gemaehte Rasenflaechen und in Formen geschnitten Buchsbaeumchen, Thailaender lieben sie anscheinend. Das naechste was auffiel - es gab keine Kinder mehr, die Hello, Sabadi oder sonstwas rufen und nur wenige Erwachsene, die gruessen, auch wenn wir zuerst gruessen - schade. Da der Grenzuebergang diesmal so schnell ging, sind wir doch die gut 100km bis zum naechsten groesseren Ort gefahren. Trat, eine haessliche Kleinstadt. Kurz davor wurde die Strasse zweispurig und der Verkehr staerker. Wir sollten feststellen, das ist noch gar nichts. Thailands Staedte sind jedenfalls fuer mein Empfinden einmalig haesslich. Zumindest hier in Ostthailand, sieht es immer aus wie eine halbheruntergekommene siebzigerjahre Bausuende. Am Anfang und Ende wird mit grossen, oft golden gerahmten Plakaten dem Koenig gehuldigt, dazwischen mit mindestens so grossen Plakaten, Coca Cola, Sony und co. Dazwischengequetscht, findet man irgendwo meist ein paar Gassen mit alten Holzhaeusern, viel schoener sehen die aber auch nicht aus. Trat in der hintersten, oestlichen Diaspora ist sicherlich besonders heasslich, viel besser wurde es allerdings nicht. Das erste Hotel (im Reisefuehrer als relativ neu mit geraeumigen Zimmern beschrieben) war ein Parkhaus. So sah es zumindest aus. Man fuhr unten wie in eine Tiefgarage rein. Dann gab es eine geflieste Theke mit Fensterscheibe zur Anmeldung, ein Typ in schmieriger Uniform fuhr mit uns im Aufzug in verschiedene Etagen, Zimmer anschauen. Jede Etage aus vollkommen rohen Beton am Rand ein paar Sitzschalen, wie in einer Wartehalle, in der Mitte eine Bruestung von der man auf die Autos schauen konnte, die Zimmer fensterlos oder mit einem Betongitter davor - wie im Parkhaus. So etwas haben wir selbst in Indien nicht gesehen (auch wenn die Zimmer sicherlich sauberer waren, als manches was wir dort zu sehen bekommen haben). Wir haben dankend abgelehnt uns sind auf besseres hoffend weitergefahren. Zum Glueck gab es das. Von Trat aus fahren die meisten Zubringer zu den Faehren nach Ko Koot und Ko Chang, die groessere und erschlossenere Insel. So fanden sich etwas weiter einige recht gute Backpackerguesthouses.
Und dann fuhren wir nach Ko Koot, die einsame Insel, zum Ferien machen. Die Insel ist gar nicht so klein immerhin rund 15km lang und 10km breit, bestehend aus regenwaldbewachsenen Huegeln. Es gibt zwei sehr schmale und immer wieder sehr steile Betonplattenstrassen, ab und zu ein Resort oder Hotel zu denen man ueber Zubringerwege kommt. Wir hatten einen Bungalow vorgebucht, von dem wir erst etwas enttaeuscht waren, spaeter aber feststellten, wir hatten es vergleichsweise recht gut getroffen. Dann gab es Paradiesmonotonie mit einem unglaublich schoenen Strand (an die ich mich allerdings erstmal gewoehnen musste). Das Wetter war inzwischen immer heisser und feuchter geworden. Es gab fast jeden Tag meist gegen Nachmittag, manchmal auch schon morgens heftige Gewitter, bei denen man in 5 Sekunden klatschnass war, was bei den Temperaturen aber voellig egal ist.
Kurz vor dem naechsten Regen. Unser Traumstrand wird noch von der Sonne angeleuchtet.
Regen im Paradies
Ganz im Norden und im Sueden der Insel gibt es zwei kleine Fischerdoerfer. An dem im Norden hat die Faehre angelegt. Zu diesem im Sueden sollten wir unbedingt fahren und Fisch essen, hatten uns zwei andere Touris gesagt. Der Fisch war wirklich klasse und aeussert frisch. Er wurde vor unserer Nase aus einem im Meer haengenden Netz gezogen. Zum Glueck hatten wir uns aber schon mittags auf den Weg dorthin gemacht, da die Strasse wieder sehr thailaendisch ohne Kurven ueber die Huegel ging und wir hier auf einem Stueck mit 25% die groesste bisherige Steigung hatten. Thailaender bauen sehr ungern Kurven in ihre Strassen, man muesste ja den Fuss vom Gas nehmen.
Ein Highlight war der Job des Affen. An einem Morgen kam ein Mann mit ihm an der Leine. Der Affe wurde dann auf die Palmen geschickt, die Kokosnuesse runter zu werfen, damit sie uns nicht auf den Kopf oder auf die Huetten fielen. Es schien fuer den Affen nicht das schlechteste Leben zu sein.
Vor Hotels Restaurant auch vielen Laeden und Privathaeusern stehen solche oder aehnliche Figuren. Schon vor drei Monaten im Norden Thailands sind sie uns aufgefallen, immer kleine, dicke, froehliche, suesskitschige Tonfiguren. Etwas was uns auch sehr schnell aufgefallen ist, nachdem wir ueber die Grenze kamen: die Thailaender werden dick. Es gibt vor allem auch viele dicke Kinder. Sie lieben Fastfood, Mc Donalds, KFC und co gibt es fast ueberall. Auf der Faehre zurueck von Ko Koot sind wir mit mindestens 50 Schulkindern gefahren, viele mit Chipstueten, viele erschreckend dick. Ob sie deswegen auch die kleinen dicken Tonfiguren so gerne moegen?
Wieder auf dem Festland sind wir soweit wie moeglich auf kleinen Nebenstrassen direkt an der Kueste entlang gefahren. Thailands Hauptstrasssen sehen aus wie unsere Autobahnen, durch Staedte meist drei- und vierspurig. Thailaender fahren sehr gerne sehr schnell. Sie hupen nicht, sondern sind einfach da und schneiden auch gerne kleinere Fortbewegungsmittel. Es gibt zwar immer einen breiten Randstreifen, trotzdem macht es wenig spass, solche Strassen zu fahren. Der Kleinwagen ist hier fast unbekannt. Sie haben alle dicke Autos und viele, viele Pickups. Es gibt zwar immer auch noch jede Menge Mototrraeder, Viele Thais koennen sich jedoch inzwischen ein Auto leisten. (Auch eines der vielen globalen Probleme)
An der Kueste zieht sich ein kilometerlanger Strand am anderen entlang. Hier machen allerdings hauptsaechlich Thais Urlaub. (Je weiter westlich man kommt, umso mehr Falangs tauchen auf.) Am Wochenende fallen sie alle mit ihren dicken Autos und auch mit grossen Reisebussen ein. Es gibt ueberall jede menge Hotels, trotzdem mussten wir am Wochenende suchen. Sonntag Nachmittag waren sie alle wieder weg.
Aus solchen Anlagen kommen die vielen Shrimps, die es heute ueberall so billig gibt. Besonders ganz im Osten gibt es eine Anlage neben der anderen. Dort werden die Shrimps teilweise noch offen zum Trocknen ausgelegt. So sind manche Orte in eine Mischung aus Fisch- und Schildkroetenfuttergestank eingehuellt, sehr ecklig.
Auch dieser fuhr (allerdings langsam) die Straende ab. Viel sehen kann der nicht.
Und dann kam Pattaya. Nach insgesamt 6225km und ueber 40.000Hoehenmetern (whow) endet hier die Asienreise.
Pattaya ist outerspace, riesige Hotelburgen und letzte Absteigen. Jedes Klischee, was wir uns vorgestellt haben trifft zu oder wird uebertroffen. Es gibt unendlich viele Maedchen und Frauen und so viele alternde, oft dicke, weisse Maenner mit so einem zarten Maedel an der Hand. Restaurants und Bars in allen weissen Sprachen der Welt. Deutsch ist immer noch sehr vertreten, wird aber inwischen fast von russisch uebertroffen. Ich war noch nie in Russland. Die meisten Russen die ich bisher je gesehen habe sind wohl hier, auch immer wieder russische Familien. Es wird wohl versucht das Image aufzubessern und auch Familien anzulocken. Es gibt zum Teil schoene und sehr noble Resorts. Wenn ich dort bleibe, kann ich vielleicht einen vergleichsweise guenstigen Urlaub verbringen. Das Meer soll angelich wieder sauberer sein. Es sieht aus wie die Nordsee, wenn man weiss das es drumherum an den Straenden klar ist - nein danke.
Das Ganze bezieht sich nicht nur auf eine Strasse oder ein Viertel. Die ganze Stadt wirkt wie ein riesiger Puff mit ein paar Aussenbezirken, wo die Thais leben duerfen.
An diesem Wochenende ist zusaetzlich ein grosses Musikfestival. Die Hauptmeile am Strand hat sich in einen riesigen Markt verwandelt (meist Klamotten). Wir haben uns gestern Abend zur Hauptbuehne durchgearbeitet und waren ploetzlich umgeben von 1000den von Jugendlichen oder jungen Erwachsenen, wo die ploetzlich alle her kamen? Es war auf jeden Fall weitaus angenehmer, wie ueberall die Bars mit Unmengen von Maedchen und alten Kerlen.
Morgen Nachmittag haben wir ein grosses Taxi bestellt, dass uns an den Flughafen nach Bangkok faehrt. Dann fliegen wir nach Australien. Tschuess Asien, wir kommen bestimmt mal wieder.
Bis denn;-)
Hi ihr beiden,
AntwortenLöschenkrass, wie die Zeit vergeht, jetzt habt ihr Asien schon hinter euch gelassen. Ich hoffe mit dem Transfer hat alles gut geklappt und ihr seid gut angekommen. und ich freue mich schon auf eure Berichte aus down under! wünsche euch eine ebenso tolle und ereignisreiche Zeit wie ihr sie bisher hattet. Billy wird bestimmt ganz neidisch und bekommt Fernweh wenn sie hört wo ihr jetzt dann unterwegs seid...
Mal so ganz nebenbei, findet ihr nicht dass ihr es etwas übertreibt mit euren Höhenmetern?? da kann ich nur sagen - Respekt und wow und ne Weile staunend mit offenem Mund dastehen kommt auch noch dazu ;)
Hab mich sehr über die email gefreut :) in Biberach wars übrigens toll, war ja aber nur kurz über Nacht da zunm Feiern, war quasi das erste Räuschle nach dem Abstillen - herrlich :))
bis bald, macht's weiterhin gut,
viele liebe Grüße,
Heike
Lieber Sebastian, liebe Katja,
AntwortenLöschenschön, wieder was im Blog von Euch zu lesen - und vielen Dank für Euer Mail.
Als ich Eure Bilder von Laos gesehen habe, hat mich plötzlich riesige Reiselust angesprungen (das aus meinem Munde, gell), außerdem schwärmen Bekannte mir vom Süden Thailands vor, der sehr schön sein soll. Nun, wer weiß. Dieses Jahr möchte ich wieder vermehrt - erst mal in Deutschland - reisen und wer weiß, vielleicht schaffe ich es in diesem Leben ja doch noch bis nach Asien (und Kanada).
Wenn Ihr dies lest, seid Ihr ja schon in Australien (auch ein Land, das mich reizt). Wünsche Euch dort eine wundervolle Zeit mit vielen schönen, spannenden Erlebnissen
Conni
Scheinbar hat Euch Australien ganz schön in Beschlag genommen! Nachdem ich meinen doppelten Städtetrip nach Paris gut überlebt habe (wenn auch nur denkbar knapp und mit letzter Kraft), wäre ich nun wieder aufnahmefähig für neue Geschichten aus der Reihe "Katja und Sebastians wundersame Reise um die Welt".
AntwortenLöschenFrohe Ostern aus dem sonnigen Heidelberg schicken
Viktor und Alfred